Emil-Böhme-Preis

Ehrung für kommunalpolitisches Engagement

Der Emil Böhme Preis der SGK Thüringen wird für herausragende Verdienste in der Kommunalpolitik vergeben. Erstmals fand diese Verleihung am 13. April 2013 in Gotha statt. Der Namensgeber des Preises ist der ehemalige Landrat des Kreises Altenburg. Bisherige Preisträger sind die ehemalige Oberbürgermeisterin von Nordhausen Barbara Rinke, der ehemalige Bürgermeister von Stadtilm Joachim Günsel, der ehemalige VG-Vorsitzende von Barchfeld, Franz Römhild, sowie die ehemaligen Oberbürgermeister von Eisenach und Gera, Norbert Vornehm und Matthias Doht.

Leben und Wirken

Emil Böhme wurde am 27. Juli 1873 in Eisenberg im Westkreis des Herzogtums Sachsen-Altenburg als viertes Kind eines Porzellanarbeiters geboren. Bis zu seiner Konfirmation (1887) besuchte Emil Böhme die Eisenberger Volksschule - danach absolvierte er eine dreijährige Lehre als Porzellanmaler in der Eisenberger Porzellanfabrik von G.W. Kunze (in der Königshofener Straße), in der er ab 1890 auch eine Anstellung fand. Da sich Emil Böhme ab 1891 beim sozialdemokratisch-gewerkschaftlich orientierten Ortsverein des ›Verbandes der Porzellanarbeiter‹ engagiert hatte und im Frühjahr 1893 Gründungsmitglied und Erster Vorsitzender (bis 1910) des ›Arbeiter-Bildungs-Vereins Eisenberg‹ wurde, verlor der 20-Jährige im Herbst des Jahres 1893 - wegen gewerkschaftlicher und parteipolitischer Aktivitäten - seinen Arbeitsplatz in der Porzellanfabrik und wurde auf die gefürchtete ›Schwarze Liste‹ gesetzt, will heißen, daß er in Eisenberg keine Anstellung mehr finden konnte. Aber er war an Eisenberg gebunden, wo er am 17. August 1893 die gleichaltrige Porzellanfabrikarbeiterin Emma Kohout (Tochter eines aus Prag stammenden Porzellandrehers) heiratete - mit der er bereits zwei 1891 und 1892 geborene uneheliche Kinder hatte. Zur Existenzsicherung der vierköpfigen Familie blieb dem 20-jährigen Arbeitslosen nur der Sprung in die Selbständigkeit als Inhaber eines Zigarrengeschäfts in seinem Geburtsort. Dennoch vergaß Emil Böhme seine Herkunft aus der Arbeiterschaft nicht, denn als im Jahre 1895 das "Eisenberger Gewerkschaftskartells" gegründet wurde, ließ er sich zu dessen langjährigem Vorsitzenden wählen. Er engagierte sich aber auch im "Konsumverein Eisenberg", bei der Organisation illegaler Eisenberger Maifeiern und bei der im Jahre 1899 erfolgten Gründung des "Arbeitergesang-Vereins Lyra", weshalb es nicht verwundert, daß der stadtbekannte 26-jährige Emil Böhme im selben Jahr (1899) als erster sozialdemokratischer Stadtrat ins Eisenberger Stadtparlament gewählt wurde, um dort die Anliegen der Arbeiterschaft Eisenbergs zu vertreten. Aufgrund des restriktiven Vereins- und Versammlungsrechts des Herzogtums Sachsen-Altenburg konnte der ›Sozialdemokratische Verein für Eisenberg und Umgebung‹, die lokale Ortsgruppe der SPD, erst am 10. September 1900 gegründet werden - nach organisatorischer Vorarbeit von Emil Böhme, den die 35 Gründungsmitglieder zum Vorsitzenden wählten. Um dafür weitere Mitglieder werben zu können, gründete Emil Böhme - in elastischer politischer Missionstaktik - sowohl den Arbeiter-Radfahrer-Verein "Frisch auf Eisenberg" (1900) als auch die "Freie Turnerschaft Eisenberg" (15. März 1903), weshalb bei den Reichstagswahlen 1903 die SPD von Eisenberg für das Herzogtum Sachsen-Altenburg mit über 1000 Stimmen die absolute Mehrheit erringen konnte. Auf Einladung von Emil Böhme hielt August Bebel am 24. April 1904 im Eisenberger Hotel ›Altenburger Hof‹ vor über 1.200 Arbeitern eine Rede zu den bevorstehenden Reichstagswahlen und wurde dazu aus Hermsdorf in einem von Pferden gezogenen Kutschenwagen von Emil Böhme persönlich abgeholt - für den knapp 31-jährigen Sozialdemokraten ein bleibendes und motivierendes Erlebnis. Als im Juni 1906 wegen neuer Reichssteuern die Brauereien und Gastwirte den Bierpreis von 13 auf 15 Pfennige pro Liter erhöhen mußten, machte sich Emil Böhme zum Sprecher der davon besonders betroffenen Arbeiter und rief diese zum allgemeinen Bierboykott auf - mit der Folge, daß die Preiserhöhung zurückgenommen werden mußte. Wen wundertʼs, daß Emil Böhme im folgenden Jahr, 1907, für die SPD in den Landtag des Herzogtums Sachsen-Altenburg gewählt und 1909 Bezirksleiter des Westkreises des Herzogtums wurde. Zu dieser Zeit war seine Familie auf immerhin 11 Kinder angewachsen, weshalb das Haus in der Leipziger Gasse in Eisenberg aus allen Nähten platzte. Durch die eigene Zigarrenfabrikation und durch das von Emma Böhme betriebene "Wiener Café" in Friedrichstanneck (an der Hauptstraße von Eisenberg nach Bad Klosterlausnitz) zu Geld gekommen, baute der inzwischen 35-Jährige im nahegelegenen Hartmannsdorf eine dreigeschossige Villa mit Anbau für die "Zigarrenfabrik Emil Böhme", in der er v.a. Frauen beschäftigte. Wie die Wahlergebnisse zeigen, stellte die Doppelfunktion Kleinfabrikant und trotzdem SPD-Landtagsabgeordneter keinen Hinderungsgrund dar, Emil Böhme weiterhin mit absoluter Mehrheit wiederzuwählen, denn er war ein ›Mann des Volkes‹, der sich im Altenburger Landtag v.a. um die Klärung von Gewerkschaftsfragen verdient machte. Bereits im Jahre 1910 wurde Emil Böhme - wie weitere 265 Sozialdemokraten des Herzogtums - auf Befehl General von Hindenburgs auf eine Liste derjenigen Personen gesetzt, die im Falle eines Kriegsausbruchs sofort zu verhaften sind, um die heilige öffentliche Ruhe nicht zu gefährden - was ihn aber dann, im August 1914, nicht davor schützte, zum Kriegsdienst eingezogen zu werden. Als am 9. November 1918 auch in Eisenberg ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet wurde, gehörte Emil Böhme selbstverständlich wieder zu dessen Gründungsmitgliedern und wurde nolens volens zu dessen Erstem Vorsitzenden gewählt - der am 12. November bei einer öffentlichen Versammlung auf dem Eisenberger Marktplatz die aufgebrachten und verunsicherten Mitbürger kraft seiner Autorität auf die Einhaltung von Ruhe und Ordnung einschwören konnte. Am 26. Januar 1919 erfolgte die Wahl Emil Böhmes zum Abgeordneten des Wahlkreises Eisenberg im Landtag des nunmehrigen Freistaates Sachsen-Altenburg. Da er auch zum stimmführenden Mitglied der Landesregierung ernannt wurde und als Staatsrat die Wirtschaftsabteilung des Staatsministeriums leiten mußte, zog er mit seiner Ehefrau und mit seinen 12 Kindern nach Altenburg (Hohe Str. 27). Damit war die steile öffentliche Karriere des gelernten Porzellanmalers aus Eisenberg allerdings noch nicht beendet, denn Ende Juli 1922 wurde der 49-jährige Sozialdemokrat Emil Böhme sogar zum Landrat des neugebildeten Thüringischen Landkreises Altenburg gewählt, den er mit Tatkraft und Umsicht in wenigen Jahren zu einer florierenden Wirtschafts-, Handels- und Gewerberegion aufbaute, wobei er nicht versäumte, auch soziale Einrichtungen wie Kranken- und Altenpflege sowie den Bau von Kindergärten und Schulen zu fördern. Sein im Oktober 1928 erschienener erster Tätigkeitsbericht über "Sechs Jahre Aufbau und Selbstverwaltung" legt davon eindrucksvoll Zeugnis ab. Aber am politischen Himmel über Thüringen zogen nach der am 8. Dezember 1929 erfolgten Wahl zum 5. Thüringer Landtag dunkle Wolken auf, denn die 6 Vertreter der NSDAP nutzten die Tatsache, daß die bürgerlichen Parteien keine mehrheitsfähige Landesregierung zustande brachten, zur Bildung einer Koalitionsregierung und damit zum erstmaligen Sprung in ein Landesparlament. Der Thüringer Gauleiter Fritz Sauckel verkündete bereits am 13. Dezember 1929 auf einer Massenveranstaltung die künftigen Ziele der NSDAP: "Wir wollen in Thüringen eine feste nationalistische Hochburg des Widerstandes gegen die Reichsregierung schaffen. Unsere besondere Aufgabe in Thüringen ist es [deshalb], den Marxismus [notabene die Sozialdemokratie] auf Schritt und Tritt zu bekämpfen und ihn [bzw. sie] einst am Boden zu zerschmettern. Denn unsere große Aufgabe ist, das kommende große dritte Reich [hier] vorzubereiten. Wir versprechen: Mit unserem Mandat wollen wir nicht dem heutigen Staate dienen - den wollen wir vernichten." Um diese "große Aufgabe" im Sinne Hitlers und in kürzester Zeit bewältigen zu können, forderte der "Führer" für seinen langjährigen "Kampfgenossen" Dr. Wilhelm Frick, einen "fanatischen und durchgekochten Nationalsozialisten", das Innen- und Volksbildungsministerium - das diesem Oberamtmann aus München ab Ende Januar 1930 leider auch zugestanden wurde. Was der energische Frick fortan in Thüringen mit eisernem Willen durchpeitschen wird, können wir einem Brief Hitlers vom 2. Februar 1930 an einen in Übersee lebenden Anhänger der "Bewegung" entnehmen: Als Innenminister wird Dr. Frick eine langsame Säuberung des Verwaltungs- und Beamtenkörpers von den roten Revolutionserscheinungen vornehmen. Dr. Frick wird dabei mit rücksichtsloser Entschlossenheit [vorgehen]. Mit einem am 29. März 1930 erwirkten Ermächtigungsgesetz zur Aufhebung bestehender Gesetze und zum Abbau demokratischer Errungenschaften der Novemberrevolution von 1918 legitimiert, konnte Frick ab 1. April 1930 seinen "Erneuerungswillen" demonstrieren. Drei Monate später, am 30. Juni 1930, wurde der knapp 57-jährige Landrat Emil Böhme von Frick telefonisch auf den 1. Juli ins Innenministerium nach Weimar beordert. Nach mehreren Stunden Wartezeit in Fricks Vorzimmer ließ dieser ihm durch seinen Referenten mitteilen, daß er ab sofort in den "Wartestand versetzt" sei. Bereits auf der Rückfahrt von Weimar nach Altenburg erlitt der ›Landrat i.W.‹ einen Herzanfall - an dessen Folgen er am 8. Juli 1930 im Kreise seiner Familie in Altenburg verstorben ist. Die ›Frankfurter Zeitung‹ titelte in ihrer Ausgabe vom 9. Juli: Landrat Böhme [gestorben]. Ein Opfer nationalsozialistischer Personalpolitik? Wir müssen das Fragezeichen durch ein Ausrufezeichen ersetzen, um der historischen Wahrheit gerecht zu werden, denn der aufrechte Sozialdemokrat und engagierte Kommunalpolitiker war tatsächlich das allererste Todesopfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft auf Hitlers Probebühne Thüringen. © Dr. Hans-Dieter Mück, Utenbach / Apolda, 13.04.2013

 

Ehrungen zur Mitgliederversammlung am 18.03.2016


Ehrung von Klaus Mehle

Im Rahmen der Mitgliederversammlung am 18.03.2016 wurde Klaus Mehle mit dem Emil-Böhme-Preis ausgezeichnet.

Klaus Mehle wohnt in Oldisleben und ist 76 Jahre alt. Er hat viele Jahre als Mitglied des Thüringer Landtags und im Kreistag des Kyffhäuserkreises engagiert  gewirkt und ist noch heute Erster Beigeordneter der Gemeinde Oldisleben.

Als Chef der Kreistagsfraktion mit seiner hohen finanzpolitischen Kompetenz erarbeitete sich Klaus Mehle den hohen Respekt des Kreistages. Er ist weiterhin Mitglied des Verwaltungsrats der Kyffhäusersparkasse und im SPD-Ortsverein „An der Schmücke“. Klaus Mehle ist weiterhin Mitglied in mehreren Vereinen in Oldisleben sowie der Region aktiv tätig.

 

 

 

Ehrung zur Mitgliederversammlung am 18.03.2016

Im Rahmen der Mitgliederversammlung am 18.03.2016 wurde Werner Groll mit dem Emil-Böhme-Preis ausgezeichnet.

Werner Groll, Jahrgang 1954, trat im März 1990 in die SPD ein und übernahm kurz darauf den Ortsvereinsvorsitz. Diese Entscheidung war für den Ingenieur nur konsequent. Nach dem Fall der Mauer wenige Monate zuvor, wollte der damals 34-Jährige gestalten und Verantwortung übernehmen. In der Traditionspartei SPD fand er seine neue und dauerhafte politische Heimat. Seinen Willen zur Gestaltung konnte er nur drei Monate später in der Praxis beweisen. Am 1. Juni 1990 wurde er Bürgermeister von Kamsdorf und behielt dieses Amt bis zum 2. Juli des vergangenen Jahres.

In diesem Vierteljahrhundert prägte er das politische Geschehen in der kleinen Gemeinde wie kein Zweiter. Unter seiner Führung baute die Gemeinde ein eigenes Gemeindezentrum mit Mehrzwecksporthalle, Bowlingbahn und Gaststätte, das zehn Jahre nach seinem Amtsantritt eingeweiht werden konnte. Werner Grolls Heimatverbundenheit zeigt sich ganz besonders in seinem Engagement für den Verein zur Pflege der Bergbautradition, dem er seit 1993 vorsteht.

1994 fand vor dem Revierhaus die Fahnenweihe des Vereins statt. Am 6. Oktober 2001 fand die Eröffnung des Besucherbergwerks statt. Hier erkunden jährlich mehrere Tausend Besucher auf einem 1,5 Kilometer langen Rundweg die 300-jährige Bergbautradition der Region. Sein Ziel immer fest im Auge hat Werner Groll auch als Mitglied im Schützenverein 1907 Kamsdorf.

Neben all diesen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Aufgaben hat Werner Groll sein politisches Gewicht über Jahre und Jahrzehnte auch im Kreistag eingebracht. Er vertrat die Fraktion der SPD unter anderem als Mitglied in zahlreichen Ausschüssen: Bau und Vergabe, Kultur und Bildung, Haushalt und Finanzen, Jugendhilfe und im wichtigen Kreisausschuss.

Hier habe er stets über die Grenzen Kamsdorfs hinaus gedacht und agiert und für das Wohl des gesamten Landkreises gestritten, würdigte Wolfram das Engagement Grolls. Bei aller parteipolitischen Verwurzelung in der SPD habe für Groll immer die sachliche Auseinandersetzung im Vordergrund gestanden.

 
 

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